Rezension: Sophies Tagebuch – Nicolas Remin

Sophies Tagebuch von Nicolas Remin zählt definitiv zu meinen Jahreshighlights 2018. Die Gegenwartgeschichte spielt dabei zur Zeit des Mauerfalls, der Großteil der Geschichte ereignet sich aber zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Somit las ich ein Buch, das genau meinen Geschmack traf, da ich gerne zu historischen Romanen greife, die ein Stück auch etwas Geschichtliches beinhalten.

BUCHDETAILS:
hardcover
20,00 euro
414 seiten
erschienen im 10/2018

kindler

ZUM INHALT:
Ein packendes Familiendrama in den 30er Jahren und zur Zeit des Mauerfalls
Berlin zur Zeit des Mauerfalls: Erika zur Linde erfährt, dass ihr Vater Ulrich sich überraschend an seinem Schreibtisch erschossen hat. Als sie in seinem Nachlass stöbert, fällt ihr das Tagebuch ihrer Mutter Sophie in die Hände. Gebannt fängt sie an zu lesen und stößt dabei auf einen gewissen Felix Auerbach: einen blonden, attraktiven Juden und Schulfreund ihres Vaters. Während Ulrich als Offizier in den Krieg musste, hielt Sophie Auerbach bei sich versteckt, dabei geriet die Welt der regimetreuen Neunzehnjährigen ins Wanken – in mehr als einer Beziehung.
Was Erika bei ihren Nachforschungen erfährt, bringt alles in Gefahr: ihr Erbe, den Ruf ihres Vaters und nicht zuletzt ihre eigene Identität. (Quelle: rowohlt.de)


MEINE MEINUNG:
Anfangs lernen wir Erika zur Linde kennen. Sie verkörpert wohl das, was wir „Mauerblümchen“ nennen würden, denn sie hat sich nie wirklich was aus Äußerlichkeiten gemacht, trägt eine dicke Brille, schminkt sich nicht und kleidet sich eher praktisch. Sie ist um die vierzig als ihr Vater Selbstmord begeht, ihr Vater, zu dem sie nie eine tiefe Bindung aufbauen konnte. Der Leser steigt direkt in das Geschehen ein, es gibt keine große Einführung, nur einen Prolog, der ein kleines bisschen eine Ahnung aufkeimen lässt, die im Laufe des Romans noch von Bedeutung sein wird.

Beim Durchstöbern des Nachlasses stößt Erika dann auf die Tagebücher ihrer Mutter Sophie und sie beginnt damit diese zu lesen und die Geschichte ihrer Mutter zu erkunden. Die praktischdenkende und rationale Erika ist dabei eine sehr interessante Persönlichkeit, eine Einzelgängerin, eher unterkühlt und emotionslos. In Verbindung mit der Geschichte ihrer Mutter fand ich diese Charakterzüge aber sehr passend. Erika wirkt immer sehr unnahbar, was aber super zur Geschichte passt.

Die Geschichte ist ebenso nüchtern geschildert, ist aber dennoch sehr interessant zu verfolgen. Der Leser erfährt sehr viel über den Zweiten Weltkrieg, die Zustände und das Leben zu dieser Zeit. Dabei wird diese Geschichte aus der Sicht von Sophie erzählt, einer sehr naiven und leichtgläubigen Persönlichkeit. Sie selbst war Parteimitglied und ich hatte den Eindruck, der Krieg würde sie nicht allzu sehr kümmern. Vielmehr interessiert sie Felix Auerbach, ein Jude und Freund ihres Mannes, den sie versteckt hält. Die Geschichte zeigt somit auch einen typischen Charakter, der demonstriert, wie die Menschen damals teilweise die Augen verschlossen haben und sich manipulieren ließen. Denn genau so geht auch Sophie durch diese Zeit.

Es hat zwar ein wenig gedauert bis die Geschichte in Gang kam, aber es hat sich definitiv gelohnt dran zu bleiben. Das ist wohl auch Nicolas Remins Schreibstil zu verschulden, der mich letztendlich an das Buch fesseln konnte. Man bleibt perfekt im Lesefluss und die Perspektivenwechsel und kurzen Kapitel erhalten die Spannung. Insgesamt hat der Roman einen sehr informativen Charakter, den ich auch sehr abwechslungsreich fand.

Auch die Protagonistin Erika ist mir immer sympathischer geworden, die macht einen Wandel durch, auch wenn ich nicht so ganz verstehen konnte, wie sich dieser begründet. Gegen Ende wirkt sie nicht mehr ganz zu emotionslos wie zu Beginn, sie macht sich während der Lektüre der Tagebücher immer mehr Gedanken um sich selbst, um ihr Aussehen und Auftreten. Sie wird selbstbewusster und auch dieser Wandel hat mir sehr gut gefallen.

FAZIT:
Im Großen und Ganzen war dieser Roman tatsächlich mal etwas anderes. Die Geschichte und Geheimnisse die ans Tageslicht kommen, hielten ein paar gute Wendungen bereit und der Schreibstil war hervorragend. Viele historische Aspekte wurden in diesem Roman spannend verpackt und es hat Spaß gemacht, war aber zugleich auch sehr bedrückend, da man immer vor Augen hatte, dass die Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich der traurigen Realität entsprach.

*Werbung: Vielen Dank an den Kindler Verlag für das bereitgestellte Leseexemplar! Das hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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