Rezension: Julie Lawson Timmer – Fünf Tage, die uns bleiben

Bei diesem Buch handeltes sich um ein Rezensionsexemplar, weshalb ich mich zuerst bei netgalley.de und bastei lübbe bedanke!

Da es sich leider nicht um eine Leseempfehlung handelt, verzichte ich darauf, wie sonst üblich, die Buchdetails aufzuführen und das Buch zu verlinken. Dennoch habe ich nicht darauf verzichtet zu schildern, was mich zu meiner Meinung bewegt.

ZUM INHALT:
Mara, erfolgreiche Anwältin und liebevolle Ehefrau und Mutter, lebt seit einigen Jahren mit einer schrecklichen Gewissheit: Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit. Um ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter einen qualvollen Leidensweg zu ersparen und ihnen als glücklicher Mensch in Erinnerung zu bleiben, beschließt sie, sich nach dem Auftreten bestimmter Symptome das Leben zu nehmen.

Nun bleiben ihr noch fünf Tage. Fünf Tage, um sich von den Menschen zu verabschieden, die sie am meisten liebt. Fünf Tage, um letzte Spuren in ihren Herzen zu hinterlassen. Fünf Tage, um für immer loszulassen … (Quelle: luebbe.de)
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MEINE MEINUNG:

Die Geschichte handelt von Mara, 42 Jahre alt, verheiratet, Mutter einer fünfjährigen Tochter – und an der tödlichen Krankheit Chorea Huntington erkrankt. Ein wirklich schweres und drückendes Thema, das nicht leicht zu lesen war. Das Buch beginnt vier Jahre nachdem Mara ihre Diagnose bekommen hat und damit fünf Tage bevor sie ihrem Leben durch eigene Hand ein Ende setzen möchte. Als Leser erfährt man nämlich einiges über diese furchtbare Krankheit, unter anderem, dass sie die Gehirnzellen angreift und die Folge daraus der Kontrollverlust über den eigenen Körper, sowie irgendwann auch der Tod ist. Bevor sie zu einem Pflegefall wird und nicht mehr selbst über die Funktionen ihres Körpers entscheiden kann, beschließt Mara, dass Suizid die einzige Option für sie ist. Die Protagonistin lernt man als ehemaligen Workaholic und gewissermaßen als Perfektionistin kennen, von daher wäre es für sie eine Horrorvorstellung, den Rest ihres Lebens auf die Hilfe von anderen Personen, womöglich sogar von Pflegepersonal, angewiesen zu sein. Deshalb stellt Mara sich das Ultimatum, sich das Leben zu nehmen, nachdem bestimmte Symptome aufgetreten sind. Als dies dann passiert, bleiben ihr noch fünf Tage. 5 Tage um sich still und heimlich zu verabschieden, die letzten Momente mit ihren Liebsten nochmal aufzusaugen und eine Liste abzuarbeiten, mit Dingen die sie noch erledigen muss, um ihren Hinterbliebenen nach ihrem Tod die ganze Sache zu erleichtern, auch wenn dies schier unmöglich scheint.

Zugleich existiert jedoch noch eine zweite Handlung, die im Klappentext überhaupt nicht erwähnt wird, was mich ziemlich gewundert hat, da ich den Protagonisten dieser Handlung, Scott, mit Mara sogar gleichsetzen würde. Auch er hat noch fünf Tage, danach wird ihm sein über alles geliebter Pflegesohn Curtis genommen, denn dieser darf wieder zurück zu seiner Mutter ziehen. Scott möchte natürlich auch noch die letzen Momente mit seinem Großen genießen. Meiner Meinung nach spielt diese Handlung eine genauso große Rolle wie die von Mara, deswegen war ich etwas erstaunt, darüber nichts im Klappentext gelesen zu haben. Ich muss auch sagen, dass mich diese zweite Handlung auch wesentlich mehr erreicht hat als die von Mara. Wie Scott sich um seinen Pflegesohn kümmert ist wirklich rührend, auch wenn er sich gegenüber seiner schwangeren Frau meiner Meinung nach nicht wirklich nachvollziehbar verhält, war diese Geschichte sehr viel emotionaler für mich. Andererseits ist das Verhalten seinerseits jedoch auch wahnsinnig seltsam, er bekommt schließlich mit seiner Frau das erste gemeinsame Kind, allerdings erfährt man nur etwas über die Trauer, welche der Velust seines Sohnes mit sich bringt. Beinahe mit keinem Wort wird das große Glück erwähnt, das ihn erwarter. Von daher wirklich verständlich, dass seine Frau Laurie nicht mit seinem Verhalten einverstanden ist.

Die Protagonistin Mara war mir von Anfang an nicht wirklich sympathisch. Sie kommt mir tatsächlich viel zu egoistisch und selbstbezogen vor. Auch in diesem Handlungsstrang gab es einige emotionale Stellen, beispielsweise als ihre fünfjährige Tochter sich von der Mutter blamiert fühlt, als diese in der Schule auftaucht und die anderen Kinder natürlich sofort merken, dass mit Mara etwas nicht stimmt. Der Kampf mit der Krankheit ist meiner Ansicht nach gut geschildert, aber viel mehr ist es für mich nicht – eine Schilderung. Ich muss leider sagen, dass ich nicht wirklich überzeugt wurde, die Autorin konnte die Gefühle nicht gut übermitteln. Die Emotionen kamen einfach nicht an, vielleicht lag das auch an der kühlen und distanzierten Protagonistin, so erschien sie mir zumindest.

Für mich war es auch ziemlich unverständlich, weshalb die Autorin zwei Handlungen miteinader verstrickt und zwei Schicksale schildert. Ich konnte dahinter keinen wirklichen Sinn entdecken, auch wenn sie die beiden Geschichten oberflächlich miteinander verflochten hat. Ich bin der Meinung, das Thema Chorea Huntington bietet genug, um damit einen ganzen Roman zu füllen und auch ist dieses Thema so ernst und für dieses Buch so wichtig, dass es für mich nicht wirklich plausibel war, weshalb ein zweites Thema eingeführt wird und diesen wichtigen Handlunsstrang immer wieder in den Hintergrund rückt.

Erzählt wurde aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers, immer abwechselnd Maras und Scotts Geschichte. So konnten auch gut Emotionen von den Nebencharakteren vermittelt werden, allerdings sind diese zu kurz gekommen. Man erfährt kaum etwas über das Innenleben der Beteiligten, die sich mit den Protagonisten das jeweilige Schicksal teilen, beispielsweise die Ehepartner von Mara und Scott. Das war wirklich sehr schade.

FAZIT:
Ich habe ein hochemotionales Buch erwartet und wurde enttäuscht. Für mich sind die vielen positiven Rezensionen zu diesem Buch nicht wirklich nachvollziehbar. Jedes Mal wenn ich etwas von „Tränen vergießen“ für diesen Roman lese, stelle ich mir die Frage, ob ich denn so gefühlskalt bin ?! 😀 Zum Glück darf jeder seinen eigenen Geschmack haben. Meiner war dieses Buch leider nicht. Die emotionale Tiefe hat mir definitiv gefehlt, was nun wirklich erwartbar sein sollte, bei solch einem tieftraurigen Thema. Deshalb kann ich nicht mehr als zwei Herzen vergeben, was ich wirklich sehr schade finde.

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2 Gedanken zu “Rezension: Julie Lawson Timmer – Fünf Tage, die uns bleiben

  1. Guten Morgen. Eine schöne und ausführliche Rezension. Mach dir nichts draus. Habe bei einigen Büchern auch oft gelesen, wie sehr zu Tränen gerührt doch alle waren und an mir ist die Geschichte vorbei gegangen. Ich denke, es hat nicht nur etwas mit dem Buch selbst zu schaffen, sondern auch die eigene Gefühlslage, in der man sich beim Lesen befindet. LG

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